Was ist Burnout?

 

 

Manche Experten bezweifeln sogar grundsätzlich, dass Burnout eine eigenständige Krankheit ist. Sie gehen davon aus, dass Menschen mit der Krankheit im Grunde an einer Depression leiden. Tatsächlich ist denkbar, dass viele, eigentlich Depressive, die Diagnose Burnout besser akzeptieren können als die einer Depression.  Denn ein Burnout wird gemeinhin Menschen zugeschrieben, die zuvor viel geleistet haben. Eine Depression hingegen wird noch immer – fälschlich – mit Schwäche in Verbindung gebracht.

Viele der Symptome von Burnout, insbesondere die tiefe emotionalen Erschöpfung, sind tatsächlich auch für Depressionen kennzeichnend. Auch Anzeichen wie Interessen- und Motivationsverlust sind ebenfalls Merkmale einer Depression.

Dafür, dass es sich dennoch um nicht deckungsgleiche Phänomene handelt spricht jedoch, dass einige wesentliche Symptome nicht übereinstimmen. So sind Depersonalisation und Leistungsunzufriedenheit  nicht typisch für eine Depression. Das allgemein angeschlagene Selbstwertgefühl, das viele Depressive belastet, ist wiederum nicht typisch für ein Burnout.

Manche Fachleute sehen Burnout auch eher als einen Risikofaktor für psychische Probleme an, und nicht als eigenständige Erkrankung. Andere beschreiben die Krankheit als einen Prozess der, sofern er nicht gestoppt wird, in eine Erschöpfungsdepression mündet. Die Grenzen zwischen Burnout und Depression bleiben somit weiterhin unscharf.

Der Krankheitsverlauf von Menschen, die von Burnout betroffen sind, ist individuell sehr unterschiedlich. So gibt es kein eindeutiges Merkmal, an dem man den Beginn des Burnouts festmachen kann. Die Erkrankung betrifft vor allem die Seele, aber auch den Körper. In den meisten Fällen entwickelt sich ein Burnout-Syndrom über einen längeren Zeitraum hinweg. Eine frühe Diagnose erhöht jedoch die Heilungschancen.

Burnout-Phasen

Burnout-Forscher haben verschiedene Phasenmodelle entwickelt, die das Burnout-Syndrom in mehrere, meist aufeinanderfolgende Stadien unterteilen. Sehr bekannt wurde die Theorie zum Verlauf des Burnout-Syndroms von Freudenberger (Burnout-Phasen). Seine Theorie basierte jedoch auf Intuition und Erfahrung und nicht auf empirischer Forschung.  Mittlerweile gibt es aktuellere Theorien, die den Verlauf der Krankheit beschreiben. Das folgende Modell stützt sich auf den Experten Prof. Matthias Burisch vom Institut für Psychologie an der Universität Hamburg und gliedert sich in die folgenden Phasen:

Phase 1: Überhöhter Energieeinsatz

Noch vor wenigen Jahren ist man davon ausgegangen, dass dem Burnout-Syndrom immer eine Phase idealistischen Überengagements und das sogenannte „Brennen“ vorausgehen. Mittlerweile wird angenommen, dass „Brennen“ und Idealismus keine notwendigen Voraussetzungen für einen Burnout sind. Allerdings zeigt sich in allen Fällen ein überhöhter Energieeinsatz. Dieser kann seinen Ursprung im Idealismus haben, aber auch aus reiner Verzweiflung erwachsen, um beispielsweise seinen Arbeitsplatz nicht zu verlieren. Ein häufiges Warnsignal ist, das die Betroffenen nach der Arbeit nicht mehr abschalten können und keine Erholung mehr erfahren.

In dieser Phase wird das drohende Burnout jedoch nur selten erkannt. Erst wenn die erhoffte Belohnung, beispielsweise in Form von beruflichem Aufstieg oder Anerkennung, dauerhaft hinter den Erwartungen zurückbleibt, beginnt die Ausbrennphase – das Burnout-Syndrom.

Auf die (Selbst)-Überforderung folgen nicht selten Erschöpfung, Irritation und Frustration. Die seelische Belastung geht am Körper nicht spurlos vorbei. So können psychosomatische Beschwerden, etwa Kopf- und Magenschmerzen oder Schlafstörungen auf das Burnout-Syndrom hinweisen.

Phase 2: Reduziertes Engagement

Typisch für Burnout ist eine starke Frustration. Die Betroffenen sind über den Sinn ihrer Tätigkeit zutiefst desillusioniert oder müssen hinnehmen, dass sie die gesteckten Ziele nicht erreichen. Ihr Idealismus schwindet. Als Reaktion darauf fahren Menschen mit beginnendem Burnout ihr Engagement herunter und stumpfen emotional ab.

Sie haben über längere Zeit zu viel investiert, nun möchten sie vor allem etwas zurückbekommen. Sie beginnen, ihre Ansprüche stark nach oben zu schrauben. Oft fühlen sie sich nun ausgebeutet und nicht ausreichend wertgeschätzt.

Gleichzeitig begeben sich viele Personen mit Burnout-Syndrom in die sogenannte innere Kündigung – ein Zustand, in dem sie nur noch das Allernotwendigste erledigen. Der Widerwille gegen die Arbeit wächst, sie fehlen häufiger und reduzieren ihre Arbeitszeit durch ausgedehnte Pausen. Einige Betroffene blühen in der Freizeit auf, andere sind auch dann antrieblos und gleichgültig.

Wer unter Burnout leidet, geht auf Distanz zu seinen Mitmenschen. Positive Gefühle für Geschäftspartner, Kunden, Patienten, Klienten und sogar Angehörige schwinden. Die Fähigkeit zum Mitgefühl und zur Anteilnahme an Anderen (Empathie) nimmt ab, im Umgang mit anderen machen sich emotionale Kälte und Zynismus breit.

Phase 3: Emotionale Reaktionen – Depressionen, Aggressionen, Schuldzuweisungen

Angesichts der Desillusionierung und Frustration suchen Burnout-Patienten einen Schuldigen für ihre Misere. Das können sie selbst sein, aber auch andere.

Sieht der Betroffene die Ursachen seiner Probleme in erster Linie bei sich selbst, kann sich schnell eine Depression entwickeln. Er fühlt sich unfähig, ohnmächtig, hilflos und betrachtet sich selbst als Versager. Sein Selbstwertgefühl schwindet. Es kommt zu typischen Symptomen einer Depression, beispielsweise einem Gefühl innerer Leere, Pessimismus, Nervosität, Angst, Ohnmacht und Niedergeschlagenheit bis hin zu Suizidgedanken.

Andere Betroffene suchen die Schuld bei Kollegen, Vorgesetzten oder „dem System“. Sie reagieren mit Aggressionen. Typisch ist, dass sie ihren eigenen Anteil an den Problemen häufig nicht erkennen. Sie sind launisch und ungeduldig. Sie geraten häufig in Konflikte mit anderen, sind intolerant, chronisch gereizt und fühlen sich schnell angegriffen. Ihr Zorn richtet sich gegen Vorgesetzte und Kollegen, Familienmitglieder und Freunde.

Phase 4: Abbau, schwindende Leistungsfähigkeit

Die psychische Erschöpfung und dauernde Anspannung des Burnout-Syndroms fordern ihren Tribut. Ausgebrannte Menschen machen häufiger Flüchtigkeitsfehler und vergessen Termine. Die Kreativität schwindet, komplexe Aufgaben können nicht mehr bewältigt werden, Entscheidungen fallen schwer.

Motivation, Produktivität und Initiative nehmen ab. Im Berufsleben verrichten Menschen mit Burnout häufig nur noch „Dienst nach Vorschrift“.

Auch das Denken verändert sich. Burnout-Betroffene denken häufig in Schwarz-Weiß-Kategorien. Sie lehnen Veränderungen jeder Art strikt ab, da der Bruch mit der Routine Energie erfordern würde und mit Anstrengungen verbunden wäre.

Phase 5: Verflachung, Desinteresse

Die schwindende Leistungsfähigkeit führt auch zu einem emotionalen Rückzug. Betroffene reagieren zunehmend gleichgültig. Sie fühlen sich oft gelangweilt, geben Hobbys auf, ziehen sich von Freunden und Familie zurück. Burnout macht einsam.

Phase 6: Psychosomatische Reaktionen

Die Symptome des Burnout-Syndroms werden von Anfang an von psychosomatischen Symptomen begleitet. Dazu gehören unter anderem Muskelverspannungen, Rücken- und Kopfschmerzen, erhöhter Blutdruck, Herzklopfen und Engegefühl in der Brust, Übelkeit und Verdauungsbeschwerden, sexuelle Probleme, aber auch Schlafstörungen und Albträume.

Phase 7: Verzweiflung

Das terminale Burnout-Stadium lässt sich als ein Gefühl existenzieller Verzweiflung beschreiben. Das zeitweilige Ohnmachtsgefühl ist zu einer generellen Hoffnungslosigkeit ausgewachsen. Die Betroffenen fühlen sich allein, ihr Leben erscheint ihnen sinnlos, Suizidgedanken kommen häufiger und werden zum Teil auch umgesetzt. 

Schnelle Krisenintervention

In einem frühen Stadium des Burnouts hilft unter Umständen ein Kuraufenthalt, ein Wechsel des Arbeitsplatzes oder eine grundlegende Neuorientierung, um den Burnout-Prozess zu stoppen. Manchmal genügt auch eine Krisenintervention. Gemeinsam mit einem Therapeuten gilt es, geeignete Strategien für die bessere Verarbeitung der Belastungen zu entwickeln. Ein funktionierendes soziales Netz, eine sichere finanzielle Situation, aber auch Hobbys wirken sich positiv auf die Prognose aus.

Ist das Burnout bereits in eine Depression übergegangen, ist eine umfassende Therapie notwendig. Das kann im Rahmen einer Psychotherapie, einer medikamentösen Therapie oder auch eine Kombination aus beiden sein.

Erste-Hilfe-Maßnahmen wie Urlaub und Ausspannen, die zu Beginn eines Burnouts sinnvoll sein können, können die Symptome dann noch verschlimmern. So verstärkt viel Schlaf Depressionen eher, und in einem Urlaub ist der seelische Zustand einer Depression noch schwerer zu ertragen.

Ein drohender Burnout muss ernst genommen werden.

Ein schweres Burnout-Syndrom, das zudem über einen längeren Zeitraum nicht erkannt und behandelt wird, hinterlässt meist dauerhafte Spuren. Schon der normale berufliche und soziale Stress ist für viele Betroffene noch Monate und Jahre nach der Therapie eine Überforderung. Daher sollte ein drohender Burnout ernst genommen und rasch behandelt werden.

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